Blues als Absacker Von Viktoria Selbert – Wormser-Zeitung Ein weinseliger Tag im Park, gute Laune, Sommerstimmung und dann um 18 Uhr einfach Schluss? Das kann eigentlich nicht sein, dachte sich Ralf Nadolski, Inhaber von „Authentic Sound“, dessen Showroom ... „Nothin but the Blues“ lautete das musikalische Motto des Abends. HERRNSHEIM - Ein weinseliger Tag im Park, gute Laune, Sommerstimmung und dann um 18 Uhr einfach Schluss? Das kann eigentlich nicht sein, dachte sich Ralf Nadolski, Inhaber von „Authentic Sound“, dessen Showroom sich im Hof des Herrnsheimer Schlosses zwischen der „Ceylon Spice Corporation“ und dem „Café Kabinett“ befindet. Das Ambiente ist ideal für eine stimmungsvolle Fortführung des Weinschnupperns, am besten mit Live-Musik, war Nadolskis Überlegung und so wurde der Soundexperte mal eben zum Initiator der ersten Weinschnuppern-After-Party. Da Nadolski die Verantwortung für die Musik übernommen hatte, lag die Auswahl einer Band für den Abend in den besten Händen. So hatte er eine großartige Blues-Band engagiert, die mit ihrem Groove und profunden, hervorragend ausgesteuerten Sound den Innenhof mal in New Orleans, mal Kansas City, Memphis oder Chicago verwandelte. Tiefgründiger, rauer, energiegeladener Blues war da am Start, denn der Kopf der Band, J.B. Lloyd, ist ein begnadeter Mundharmonika-Spieler, der seinen Instrumenten hoch intensive, authentische Seelenzustände entlockt und mit einer packenden Stimme die im Blues geformten Dramen des Lebens erzählt, raunt, ruft und besingt. Mit den anderen Bandmitgliedern Dieter Ullmann an den Drums, Andi Stenge am Piano, Thomas Merchel und H.P. Drach an den Gitarren, allesamt hervorragende, impulsive Instrumentalisten, formte sich ein homogener Klangkörper mit pulsierender Gesamtenergie und beeindruckenden Soli, der das Publikum immer mehr begeisterte. „Nothin but the Blues“ lautete das musikalische Motto des Abends, und so gab es in den Pausen zwischen den Sets auch nur Originalaufnahmen von Stars des Genres aus der hochedlen Konserve in Nadolskis Räumen zu hören. Erlebt hatte dieser die Vollblutmusiker der J.B. Lloyds Band zuvor zwei Mal im Weinladen und war überzeugt, dass der Stil für diese Party passen würde. Vielleicht war die Wahl am Anfang für die Gäste aufgrund ihrer emotionalen Intensität etwas gewöhnungsbedürftig, da üblicherweise eher Gefälliges in weinlaunigen Kontexten zu hören ist, aber genau das war das stilvolle Alleinstellungsmerkmal der Veranstaltung: Mut zum Profil und Exklusivität statt Partydröhnen oder weichgespülte Wellness-Songs.
03.07.2019
Blues mit Herz und guter Laune in Guntersblum
Von Fred Balz 30 Songs in drei Stunden, das ist dampfender Blues der „JB Lloyd Blues Band“. GUNTERSBLUM -
Am Anfang steht der Blues, ohne
den Jazz, Rock und Soul undenkbar
wären. Die Urform der Musik der
Afroamerikaner geriet zur
Grundlage des Jazz, der von New
Orleans aus seit Beginn des 20.
Jahrhunderts die Welt eroberte und
die Populärmusik für immer
veränderte.
Die „JB Lloyd Blues Band“ mit
altgedienten Vollblutmusikern aus
dem Großraum Worms ist eine der kraftvollsten und authentischsten Bands zwischen dem Country
Blues der 30er Jahre und dem bereits elektrifizierten urbanen Blues aus Chicago, Memphis oder Kansas
City der 50er. Die fünf Musiker mit geballten 200 Jahren Musikerfahrung ließen es eher ruhig angehen.
So leise und entspannt hat eine Band ihr Open-Air-Konzert selten begonnen, sozusagen ein entspanntes
Blueslounge-Konzert im ersten Set, dem zwei heftig rockende und rollende Sets folgen sollten.
Obwohl JB als Hauptsänger über eine mächtige ausgebildete Stimme verfügt, kann Boogie Woogie
Pianist Andi Stenger eine zweite stimmliche Klangfarbe beisteuern. Die Trommeln übernimmt Dieter
Uhlmann und Thomas Merchel spielt die Stratocaster Gitarre. Mit Dobro- und Fender-Gitarren sowie
weicher brüchiger Stimme ist Elder Statesman HP Drach das Rückgrat der Band. Der bald 70-jährige ist
seit Ende der 60er Jahre einer der kreativsten Gitarristen der Region. Seine solistischen Dobro und
Country Blues Einlagen gehören zu den bewegendsten Stücken des Abends. Der Country Blues
„Everyday I Have the Blues“ ist seine Hommage in B.B. Kings 1954er Version an die „Sparks Brothers”,
die den Song 1935 schufen. Mit JB als Sänger und Harp Spieler intoniert er auf seiner Dobro-
Resonatorgitarre den sexistischen Big Joe Williams Klassiker „Crawling Kingsnake“ aus dem Jahr 1941 in
der John Lee Hooker Version.
Rau röhrend und sanft eindringlich
J.B. Lloyd ist ein begnadeter Mundharmonika-Spieler, der gut zwei Dutzend verschiedenen Harps rau
röhrende wie sanft eindringliche Sounds abringen kann. Vor allem ist er ein Shouter der Extraklasse, der
mit seiner Stimme allerlei Seelenzustände auszudrücken vermag und nebenbei als Entertainer speziell
auf die Ladies im Publikum einzugehen weiß.
JB Lloyd Band